Christopher Roch

NAGEL-Redaktion – Links: Gesundheit

Kinderseite zum Thema „Umwelt und Gesundheit“

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 
Auf den Seiten der BZgA findet man immer wieder interessante Hinweise und Beiträge, die für die pädagogische Praxis hilfreich sind. Ferner können hier auch Informationen über Kampagnen – wie beispielsweise – „Bist du stärker als Alkohol?“ – abgerufen werden.

Thema „Ernährung“ 
Hier gelangt man auf die Seiten der BZgA, die Informationen rund um die Ernährungen liefern. Spezielle Informationen zum Thema Essstörungen gibt es 
hier.

Thema „Drogen“ 
Dieses Internetportal ist ein Projekt der BZgA und Anlaufstelle für Jugendliche, wo sie sich jederzeit und anonym über die Wirkungen und Risiken von legalen und illegalen Drogen informieren können.

Kinder stark machen! 
Das ist eine Kampagne der BZgA: Kinder stark machen. Suchtvorbeugung kann ganz einfach sein.

Kampagne „Gut drauf“
Mit der Kampagne „Gut drauf“, die für die Inhalte Ernährung, Bewegung uns Stressbewältigung steht, stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein Modell vor, in dem in verschiedenen Handlungsfeldern, in Schulen, Offener Kinder- und Jugendarbeit, Sportvereinen und vor allem auf Reisen Multiplikatoren mit Jugendlichen arbeiten. Weiter bietet die BZgA eine mobile Mitmachausstellung an, die Institutionen und Organisationen „ihren“ Jugendlichen anbieten können. Junge Menschen werden angeregt, auf spannende und spielerische Art zu einem gesunden Umgang mit dem eigenen Körper und ihren persönlichen Bedürfnissen zu gelangen.

Das Kindernetzwerk für kranke und behinderte Kinder
Das Kindernetzwerk für kranke und behinderte Kinder und Jugendliche in der Gesellschaft vermittelt mit seiner Online-Datenbank umfassende Hilfe bei 2000 Erkrankungen und Behinderungen. Die Datenbank enthält über 90.000 Adressen, zum Beispiel von Eltern, Selbsthilfegruppen, Kliniken, Bundesverbänden oder Internet-Adressen.

Plattform „Gesundheitsförderung für sozial Benachteiligte“

Thema „Aids“
Hier ist der Link „Gib Aids keine Chance!“ zu finden.

„Hugo Kükelhaus Gesellschaft“

NAGEL-Redaktion – Kopfschmerzen bei Kindern

Die folgenden Beiträge veröffentlichte die WAZ (Westdeutsche Allgemeine) am 10. April 2004 auf ihrer Service-Seite im ?Ratgeber Gesundheit?. Bedanken möchten wir uns bei Torsten Wellmann von der WAZ-Redaktion für die Genehmigung, die Beiträge hier ins Netz stellen zu dürfen.

 

NAGEL-Redaktion

Studie: Göttinger Forscherinnen gehen den Ursachen auf den Grund

Dumpfe, pochende oder bohrende Schmerzen; das Gefühl, dass der Schädel gleich platzt ? wer Kopfschmerzen hat, ist manchmal tagelang außer Gefecht gesetzt. Auch Kinder bleiben nicht verschont. Schlimmer noch: Die Zahl der Jungen und Mädchen, die unter Kopfschmerzen leiden, nimmt drastisch zu.

Das sagt Diplompsychologin Marion Heinrich von der Universität Göttingen. Ihre Kollegin Lisette Morris ergänzt: ?In Untersuchungen aus den 70er Jahren war nur etwa jedes siebte Kind betroffen. Inzwischen ist es fast jedes zweite.? Die beiden Forscherinnen beschäftigen sich intensiv mit Kopfschmerzen bei Kindern und werden dabei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziell gefördert.

Gemeinsam haben sie in Göttingen eine Pilotstudie durchgeführt: 43 Prozent der Jungen und Mädchen litten im letzten halben Jahr mindestens einmal unter Kopfschmerzen. Über die Hälfte dieser Kinder war aufgrund der Beschwerden nicht voll leistungsfähig. Und gut 14 Prozent von ihnen fehlten wegen der Kopfschmerzen an einem oder mehreren Tagen in der Schule.

Die Untersuchung gibt Hinweise auf Risikofaktoren: Kinder, die in den letzten fünf Jahren kritische Lebensphasen durchliefen, zum Beispiel die Scheidung der Eltern, erkrankten häufiger. Außerdem waren Kinder mit Kopfschmerzen im Schnitt ängstlicher und konnten Stress weniger gut bewältigen als ihre Altersgenossen.

Die Pilotstudie ist der Anfang eines viel umfassenderen Projektes: Ende 2003 verschickten die Göttinger Kopfschmerzforscherinnen Fragebögen an 8800 Familien mit Kindern in Südniedersachsen und Hannover. 61 Prozent der Fragebögen sind inzwischen ausgefüllt wieder in Göttingen eingetroffen. Die Daten werden noch genauer als die Pilotstudie darüber Auskunft geben, wie verbreitet Kopfschmerzen bei deutschen Kindern sind und wodurch sie verursacht werden. Heinrich: ?Im deutschsprachigen Raum gibt es keine vergleichbare Studie. Die Frage, welche Faktoren das Kopfschmerzrisiko bei Kindern erhöhen, wurde bisher selten über eine längere Zeitspanne hinweg untersucht. Unsere Studie ist deshalb auch international bedeutsam.?

Migräne oder Spannung

 

Kopfschmerzen haben viele verschiedene Ursachen. Die genauen Abläufe sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Wichtige psychologische Auslöser für Kopfschmerzen bei Kindern sind Stress, Sorgen, Schulbelastung und Schlafmangel. Am häufigsten kommen Spannungskopfschmerzen und Migräne vor. Weil diesen beiden Kopfschmerzformen keine andere Erkrankung zugrunde liegt, werden sie als primäre Kopfschmerzen bezeichnet.

Spannungskopfschmerzen entstehen wahrscheinlich durch Fehlsteuerungen der für Schmerzreize verantwortlichen Nervenbahnen. Muskelverspannungen sind nur bei einem Teil der Betroffenen für die Beschwerden verantwortlich. Als Ursache der Migräne gilt eine Überempfindlichkeit bestimmter Hirnregionen. Sie führt zu einer vorübergehenden Entzündungsreaktion an den Wänden der Blutgefäße des Gehirns.

Sekundäre Kopfschmerzen treten als Folge anderer Erkrankungen auf, zum Beispiel bei einem Hirntumor, bei Hirnblutung, Hirnhautentzündung, Nasen-Nebenhöhlen-Entzündung oder Schädel-Hirn-Verletzung. Auch bestimmte Medikamente und Giftstoffe können sekundäre Kopfschmerzen verursachen.

 

Fünf Milliarden jährliche Kosten

 

Schmerzzustände gehören nach Ansicht des Bundesforschungsministeriums zu den häufigsten und belastendsten Krankheiten in Deutschland. Sowohl die individuelle Belastung als auch die Anzahl der von chronischen Schmerzen Betroffenen ist sehr hoch. So leiden 20 Prozent der Bevölkerung chronisch an Kopfschmerzen, 40 Prozent mindestens einmal im Jahr an Rückenschmerzen. Auch die finanziellen Folgen für die Gesellschaft sind beachtlich: Bei Rückenschmerzen werden die Kosten für Behandlung, Rehabilitation und vorzeitige Berentung auf über 30 Milliarden Mark pro Jahr geschätzt, beim Kopfschmerz liegen sie bei 5 Milliarden Mark pro Jahr.

Ärzte raten, nicht sofort zum Medikament zu greifen

Kopfschmerzen: Kinder sollen Entspannung lernen

 

Eltern sollten ihren Kindern bei Kopfschmerzen nicht einfach frei verkäufliche Schmerzmittel geben. Denn nicht jedes Medikament sei auch für Kinder geeignet, warnt erneut der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in München.

 

Bei leichten Attacken reichen oft Ruhe, ein abgedunkelter Raum und ein kühles Tuch auf der Stirn. Sind die Schmerzen stärker, werden in der Regel für Kinder geeignete Schmerzmittel und gegebenenfalls Medikamente gegen Übelkeit verschrieben. Bewegung an der frischen Luft sowie regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten sowie wenig Stress können vorbeugend wirken.

Wenn Kinder immer wieder unter Kopfschmerzen leiden, sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden, rät der Kinder- und Jugendarzt Thomas Fendel. Dieser könne andere Erkrankungen als Grund ausschließen. Außerdem kann eine frühe Behandlung verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden. Hilfreich für Diagnose und Therapie ist ein Kopfschmerztagebuch.

Seit Jahren nehmen Kopfschmerzen bei Kindern Experten zufolge zu: 20 Prozent der Vorschulkinder leiden schon an Kopfschmerzen. Bis zum Ende der Grundschulzeit haben mehr als die Hälfte der Schüler, bis zum zwölften Lebensjahr etwa 90 Prozent der Kinder Erfahrungen mit Kopfschmerzen.

In über 90 Prozent der Fälle sind Kopfschmerzen bei Kindern so genannte primäre Kopfschmerzen. Ihnen liegt also keine schwere Erkrankung zugrunde, doch sie können Lebensqualität und -freude massiv beeinträchtigen. ?Die häufigsten Arten sind Spannungskopfschmerz und Migräne. Von chronischen Kopfschmerzen spricht man, wenn sie an mehr als 15 Tagen pro Monat auftreten?, sagt Fendel.

Kennzeichen einer Migräne können Blässe, Übelkeit und Erbrechen sein. Der pochende Schmerz betrifft ? im Gegensatz zur Migräne bei Erwachsenen ? beide Kopfseiten und die Stirn. Legt sich das Kind hin und schläft, ist es anschließend meist beschwerdefrei. Der Spannungskopfschmerz wandert wie bei Erwachsenen vom Nacken zur Stirn und kann auch bis zu den Augen oder Wangen reichen.

Warum immer mehr Kinder Kopfschmerzen haben, dazu haben Experten noch keine endgültige Hypothese. ?Wir vermuten aber, dass die veränderten Lebensbedingungen eine wichtige Rolle spielen?, sagt die Diplompsychologin Marion Heinrich von der Universität Göttingen. ?Kinder bewegen sich heute weniger als früher, sehen häufiger fern und stehen in der Schule unter großem Leistungsdruck.? Bisherige Studien zeigen außerdem, dass Kinder mehr als in der Vergangenheit so genannten kritischen Lebensereignissen ausgesetzt sind ? zum Beispiel einer Trennung der Eltern.

?Wenn der Arzt eine Erkrankung ausgeschlossen hat, bieten sich Kopfschmerz-Bewältigungsgruppen an?, erklärt Heinrich. ?Dort lernen die Kinder Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation.? [1] Die Gabe von Medikamenten muss mit dem Arzt genau abgesprochen werden. Für Kinder mit Migräne sei sie zum Teil sinnvoll und notwendig, so die Expertin. ?Für Kinder mit Spannungskopfschmerz sind aber nicht-medikamentöse Strategien deutlich besser geeignet.? (WAZ/tw/dpa vom 10. April 2004)

 

Lachen lernen

 

Was versteckt sich wohl hinter www.hoho-haha.de? Keine Internetseite mit Witzen, aber es darf gelacht werden. Es muss sogar gelacht werden. Hinter dieser Internetseite versteckt sich der Verband deutscher Lach-Yoga-Therapeuten e.V. Da steht unter anderem Lacherlernen auf dem Programm. Zur Entspannung. Das hört sich vielleicht lachhaft an. Und ist sicherlich nicht für jeden das Richtige. Fest steht aber beispielsweise, dass fast jedes zweite Kind unter Kopfschmerzen leidet ? vielfach Spannungskopfschmerz.

Wir wollen nicht behaupten, dass deutsche Kinder zu wenig lachen und davon Kopfschmerzen bekommen. Doch dass sie sich zu wenig bewegen, zu viel vor dem Fernseher sitzen, das steht fest. Da sind die Eltern gefragt. Auch die müssen ihren Kindern zeigen, wie man spielt, Spaß hat, lacht. Doch dazu muss man es erst einmal selber können. Also: Mundwinkel hoch! (WAZ/tw vom 10. April 2004)

 

Anmerkung der NAGEL-Redaktion: Die Beschäftigung mit dem Thema ?Kopfschmerzen bei Kindern? macht ein weiteres Mal deutlich, wie wichtig ein flächendeckendes Angebot von Abenteuerspielplätzen, Kinderbauernhöfen, Spielmobilen und vergleichbaren Einrichtungen wäre. Gemeinsam ist diesen Einrichtungen, dass sie vielfältige Bewegungs- und Entspannungsmöglichkeiten bieten. Ferner können Kinder hier in einer Art und Weise ? wie sonst selten ? ihren eigenen Selbstwert, ihre Fähigkeiten und die Chance, mit den gewählten Aufgaben zu wachsen, erfahren. Dr. Eckhard Schiffer, Mitglied im Beirat des ABA Fachverbandes, hat die Heilkraft unserer favorisierten Konzepte bereits im Zusammenhang mit Aufmerksamkeitsstörungen deutlich gemacht. Im Falle von Kopfschmerzen dürften vergleichbare Resultate zu erwarten sein.

 

Empfehlen möchten wir Betroffenen das Institut für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln (Telefon 02363/975-180, schmerztherapie@kinderklinik-datteln.de). Dort gibt es kompetente Unterstützung. Im Internet gibt es hierzu die Seiten: http://www.kinderklinik-datteln.de/Eltern/Unser_Leistungsspektrum/unser_leistungsspektrum.htm und

http://www.eigenes-leben-ev.de/.

 

[1] Anm. der NAGEL-Redaktion: ?Relaxation? meint als medizinischer Fachbegriff ?Entspannung?

NAGEL-Redaktion – Konditionslose Kinder

Wie die WAZ vom 30.12.2002 berichtete, verfügen deutsche Kinder über eine immer schwächere Kondition. Der Bericht fußt auf Untersuchungen des Instituts für Trainingstherapie und medizinisches Gesundheitsmanagement (Frankfurt). Dessen Leiter Harald Maier: „Unsere Kinder werden immer schlapper.“ Seit 1996 misst das Institut die sportlichen Leistungen von Schülern aus dritten und vierten Klassen und vergleicht sie mit früheren Werten. Demnach sprangen Elfjährige 1999 im Durchschnitt 16 cm oder zehn Prozent weniger als 1974. Verglichen wurden Messungen von 80 Kindern aus Köln und Frankfurt. Kinder, die in ihrer Freizeit Sport trieben, sprangen bei den Tests weiter als Schüler ohne Freizeitsport. Hauptursache für die schlechteren sportlichen Leistungen ist Maier zufolge der Bewegungsmangel: „Kinder sitzen zu viel, bewegen sich zu wenig und sind zu dick.“ In der Folge lässt die Kondition rapide nach.

Insgesamt hat das Institut seit 1996 rund 650 Kinder an Schulen im Rhein-Main-Gebiet untersucht. Erfasst werden dabei auch Kraft und Beweglichkeit des Rückens und des Bauches. Dabei zeigt sich Maier zufolge: „Die Kräfte lassen nach.“ Dieses Ergebnis sei unabhängig vom Gewicht. „Auch schlanke Kinder sind nicht mehr in der Lage, sportliche Leistungen zu bringen, die früher üblich waren.“ Zwar wächst der Anteil übergewichtiger Kinder in Deutschland, doch nach Maiers Beobachtung schreitet die Entwicklung nicht so schnell voran, wie Kondition und Beweglichkeit nachlassen.

Die genannten Phänomene werden zwischenzeitlich auch vermehrt aus Einrichtungen gemeldet, die im ABA Fachverband organisiert sind. So wird auf Abenteuerspielplätzen bei anfänglichen Besuchen von Kindern eine geradezu „abenteuerliche“ Unfähigkeit und Ungeschicklichkeit erlebt. Bestätigung finden nicht nur die oben genannten Untersuchungsergebnisse. Auch der Umgang mit Werkzeug, Materialien usw. wird zunächst völlig unzulänglich beherrscht. Diese Kinder haben ? wie insgesamt wenige ? das Glück, einen Abenteuerspielplatz benutzen zu können, um so einen Teil ihrer Defizite kompensieren zu können. Den meisten anderen Kindern werden diese Chancen ? vermutlich wider besseres Wissen ? weiterhin vorenthalten, indem nicht der Empfehlung des 10. Kinder- und Jugendberichts der Bundesregierung gefolgt wird, Abenteuerspielplätze flächendeckend zu verstärken.

 

InformationsDienst 2-2003

NAGEL-Redaktion – Gefährliches Alter: Jugendliche und junge Erwachsene

Die Altersspanne von 18 bis 24 Jahren ist ? bezogen auf den Straßenverkehr ? die risikoreichste Lebenszeit. Nicht selten geschehen Unfälle im Zusammenhang mit Besuchen in Discos, Szenetreffs und Partys. 2001 verunglückten 110457 junge Menschen der genannten Altersgruppe, davon 1606 tödlich. Diese Alterskohorte stellt nur 7,9 Prozent der Gesamtbevölkerung, allerdings gehört ihr jeder fünfte Verletzte und Getötete an (20 Prozent). In keiner anderen Altersgruppe ist das Unfallrisiko derart hoch.

 

Auf die Gesamtbevölkerung kommen 85 Tote je eine Million Einwohner; bei der hier in Rede stehen Gruppe ist die Zahl fast dreimal so hoch (246). Neben den Disco-Unfällen spielt das gesamte Freizeitverhalten, aber auch die finanzielle Lage (Stichwort: ?schrottreife Autos?) eine Rolle. Knapp die Hälfte der Betroffenen (43 Prozent) wurde zwischen 19 Uhr abends und vier Uhr morgens getötet (Schwerpunkt: zwischen 19 und 22 Uhr). Ein weiterer, vermutlich schon seit längerem geahnter Aspekt: Junge Männer sind deutlich stärker gefährdet als junge Frauen. Während Frauen häufig kleinere und neuere Autos mit weniger PS fahren, steuern junge männliche Fahrer technisch unsichere, ältere Autos mit mehr Leistung. Bei den Unfallursachen steht ?nicht angepasste Geschwindigkeit? ? also zu schnelles ?Heizen? ? an erster Stelle; dies ist bei jungen Männern deutlich häufiger der Fall als bei Frauen.

 

Selbst die Folgen von Unfällen, die von jungen Frauen verursacht werden, sind in der Regel geringer. Junge Männer verursachen fast doppelt so viele Unfälle mit Verkehrstoten wie Frauen (pro 1000: 27 zu 14). Die ACE-Zeitschrift ?Lenkrad? 11/2002, aus der die hier wiedergegebenen Informationen entnommen wurden, kommentiert die jungen Frauen bisweilen unterstellte vermeintliche Schwäche als Stärke: ?Sie müssen niemandem was beweisen ? und sie zeigen sich zunehmend auch stark, wenn sie wieder aussteigen, ehe die Fahrt ins Risiko beginnt.?

 

InformationsDienst 12-2002

NAGEL-Redaktion – „Glotze“ macht Kinder schlapp

Kinder und Jugendliche in Deutschland werden körperlich immer schlapper. Sie treiben zu wenig (Schul-)Sport und sitzen zuviel vor dem Fernseher oder dem Computer. Allein bei den 10- bis 14-Jährigen ist nach einer Studie von AOK und Deutschem Sportbund (DSB) die Fitness um 20 Prozent bei Jungen und 26 Prozent bei Mädchen im Vergleich zu 1995 gesunken. Für die Studie wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als 20.000 Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis 18 Jahren befragt und einem sportlichen Test unterzogen. Besonders drastisch ist demnach der Rückgang im Bereich der Koordination sowie in der Ausdauer. (dpa/WAZ 12.3.2003)

 

i-Punkt 4-2004

NAGEL-Redaktion – Entspannung mit Kindern

Entspannungsübungen helfen, Konzentration und Kreativität bei Schulkindern zu fördern. Optimal erschließt sich ihre Wirkung jedoch nicht als isolierte Maßnahme ? quasi an Stelle eines fehlenden guten Schulklimas ?, sondern erst im Zusammenspiel verschiedener schulischer Faktoren. Der vorliegende Beitrag bezieht sich zwar auf Grundschulen; empfehlenswert sind Entspannungsübungen aber auch für weiterführende Schulen.

Kinder stehen schon sehr früh unter starken Belastungen. So beginnt bei vielen bereits der Leistungsdruck im Kindergarten. Kinder wissen schon sehr früh, dass von ihnen besondere schulische Leistungen erwartet werden, weil sie eine bestimmte Schul- oder eine besondere Berufsausbildung durchlaufen sollen.

Auch Kinder kennen Stress

So müssen sie mit unterschiedlichstem Stress in ihrem Alltag fertig werden: überfüllte Klassen, Leistungsdruck, überforderte Lehrkräfte, Konflikte in der Familie, Scheidungen, Arbeitslosigkeit usw. Die Medien vermitteln ihnen zusätzlich ständig eine Umwelt, die von Gewalt, Brutalität und Gefahren geprägt ist.

So ist es nicht verwunderlich, wenn Kinder auf Stress mit körperlichen Symptomen reagieren: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Bettnässen, Bauchweh, Durchfall, Kurzatmigkeit, Asthma, Herzrasen etc. Aber auch im emotionalen Bereich werden Stresssymptome in überhöhter Ängstlichkeit, unkontrollierten Wutausbrüchen, hoher Nervosität und starker Unkonzentriertheit usw. erkennbar.

Kinder profitieren von Entspannungsübungen

Natürlich kann die Schule alle diese Probleme nicht bearbeiten oder gar lösen. Sie kann aber Kindern die Gelegenheit geben, zur Ruhe zu kommen und für einige Minuten abzuschalten ? in einer geleiteten Entspannungsübung. Viele müssen das erst mühsam erlernen; manche Kinder besuchen sogar spezielle Kurse.

In den letzten Jahren arbeiten immer mehr Lehrkräfte im Unterricht mit Entspannungsmethoden. Entspannungsübungen kommen allen Kindern zugute. Sie dienen nicht der Disziplinierung von Kindern. Vielmehr besteht ihre Zielsetzung darin, Konzentration, Fantasie und Kreativität der Kinder zu fördern.

In der Schulklasse sind vor allem jüngere Kinder gewohnt, täglich mit ihrer Lehrerin zu arbeiten. In der Regel vertrauen sie ihr und lassen sich bei ihr problemlos gern auf eine Entspannung ein. Sie erleben Entspannungsübungen als einen angenehmen Zustand. Und weil sie ihn positiv erleben können, wirkt er auch besonders verstärkend.

Immer wieder kann im Unterricht beobachtet werden, dass durch Entspannungsübungen vor allem die Konzentrationsfähigkeit verbessert wird. So genannte psychosomatische Erscheinungsbilder wie Bauch- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen etc. werden ebenfalls beeinflusst. Besonders auffällig ist, dass viele Kinder sich Entspannungsübungen vor Klassenarbeiten wünschen. Hier hat die Entspannung die Funktion, Angstzustände zu mindern und den Kindern die Möglichkeit zu geben, den geforderten Stoff besser zu aktivieren.

Die meisten genießen einfach die Entspannungsübungen, die für sie zur täglichen Psychohygiene gehören.

Entspannung in der Schulklasse

In Grundschulklassen lässt sich die Entspannung leicht als wöchentliches oder tägliches Ritual etablieren. Sie dauert etwa eine Viertelstunde bis zwanzig Minuten und kann im Sitzkreis durchgeführt werden.

Der hier vorgestellte Trainingsansatz orientiert sich an der Grundstufe des Autogenen Trainings von Prof. J.H. Schultz. Diese Instruktionen reichen für den Einsatz in der Schule völlig aus. Dabei werden vor allem die Vorstellungskraft der Kinder aktiviert und Körperreaktionen beeinflusst bzw. hervorgerufen.

Die Entspannungsgeschichten können im Unterricht vorgelesen werden. Dabei bestimmt die Lehrkraft den Zeitpunkt.

Es ist günstig, den Einsatz von Entspannungsübungen zunächst einzuüben, damit sie dann im ?Ernstfall? besser funktionieren. Die Entspannungsgeschichten sollten so gestaltet sein, dass sie vor allem auch unruhige Kinder ansprechen. Sie sollten von daher inhaltlich immer einen kleinen Spannungsbogen enthalten. Es wird eine Durchführungsdauer von zehn Minuten empfohlen. Fortsetzungsgeschichten erfreuen sich bei Kindern großer Beliebtheit. Traut man sich noch nicht, eine Geschichte selbst zu erfinden, kann man aus der Literatur entsprechende Beispiele auswählen.

Für den Einsatz in der Schule verbindet man die Entspannungsgeschichten am besten mit Musik. Dabei wird eine Musik bevorzugt, die sechzig Taktschläge aufweist, was einem verlangsamten Herzrhythmus entspricht. Bei der Auswahl der Musik hören Kinder Stücke aus der Klassik oder aus dem Fernöstlichen meist nicht gern.

Aufbau einer Entspannungsgeschichte

Alle Entspannungsgeschichten haben den gleichen Aufbau:

1. ein Einstiegsritual

2. die eigentliche Entspannungsgeschichte

3. ein Ausstiegsritual.

Einstiegs- und Ausstiegsritual bleiben bei allen Geschichten in der Wortwahl gleich. Die Entspannungsgeschichte des Mittelteils erfindet man in der Regel selbst.

In das Einstiegsritual, in den Mittelteil und auch in das Aussteigritual bettet man nun entsprechende Instruktionen aus der Grundstufe des Autogenen Trainings: Ruhe-, Schwere- und Wärmeinstruktionen für Arme und/oder Beine.

Dazu kommen Instruktionen zur Förderung des Farbensehens. Die Anweisungen aus dem Autogenen Training werden so integriert, dass sie sich dem Handlungsablauf anpassen:

Wärme wird dann suggeriert, wenn es zur erzählten Entspannungsgeschichte passt (Sonnenstrahlen, glänzend von Gold und Silber etc. werden mit Wärme in Verbindung gebracht). Fantasievorstellungen wie Schwimmen im Wasser, Tragen von schweren Gegenständen etc. assoziiert man mit Schwere.

Solche Vorstellungsbilder helfen den Kindern, Wärme, Schwere und Ruhe leichter wahrzunehmen. Beispiele und genaue Durchführungsinstruktionen finden sich in der entsprechenden Fachliteratur.

Feedback

Nach jeder Entspannungsübung erfolgt ein kurzes Feedback. Es besteht aus den Fragen:

1. Wie war die Übung für dich?

2. Wie fühlst du dich jetzt?

Jedes Kind aus der Gruppe gibt eine kurze Antwort auf die gestellte Frage.

Dabei ist es besonders wichtig, dass jedes Kind die Möglichkeit erhält zu antworten. Bei jüngeren Kindern ist es so, dass die Mehrzahl nur mit einem Wort antwortet. Dies wird akzeptiert.

Für jede einzelne Äußerung bedankt man sich. Dabei schaut man das Kind an. Man nimmt Blickkontakt auf. Gerade unruhige Kinder haben oft keinen Blickkontakt zur Lehrkraft. Egal, was das Kind berichtet oder antwortet, man kommentiert seine Aussage mit einem emphatischen ?Danke?.

Die Feedbackäußerungen der Kinder werden also auf keinen Fall kommentiert oder gar korrigiert. Von daher sollen auch keine weiterführenden ?bohrenden? Fragen gestellt werden. Dem Kind allein ist es überlassen, was und wie viel es sagt.

Die Unruhigen haben vor allem am Anfang der Geschichten Schwierigkeiten, sich auf eine strukturierte Übung, die ruhiges Sitzen erfordert, einzulassen. Es kann günstig sein, diese Kinder neben sich zu setzen und ihnen bei starker Unruhe beruhigend die eigene Hand auf den Arm zu legen. Von den Fantasievorstellungen her lassen sie sich gern auf die Geschichten ein und berichten auch immer begeistert, was sie gesehen haben.

Beispiel: Entspannung in wenigen Sekunden

Besonders in Angstsituationen erwarten Kinder eine Hilfestellung durch entsprechende kurze Entspannungsübungen. Sie müssen schnell durchführbar sein, nur wenige Sekunden dauern und den Stress sofort mindern (z.B. vor Klassenarbeiten). Besonders wichtig ist, dass man sie im Alltag problemlos durchführen kann ? ohne beobachtet zu werden.

Du setzt dich ruhig hin und atmest zunächst fünfmal tief ein und aus.

Dann atmest du tief ein, zählst innerlich bis drei und hältst so lange die Luft an und atmest dann wieder aus.

Jetzt beginnst du von Neuem und atmest wieder tief ein, zählst innerlich bis drei, hältst dabei die Luft an und atmest tief aus.

Das wiederholst du dreimal.

Autor: Dipl.-Psych. Dieter Krowatschek ist Leiter des Schulpsychologischen Dienstes in Marburg und unterrichtet selbst als Klassenlehrer. Therapeutisch arbeitet er vor allem mit verhaltensauffälligen, aggressiven und überaktiven Kindern und hat mehrere Trainingsprogramme für den Einsatz in der Schule entwickelt.

Literatur:

Krowatschek, D.: Entspannung in der Schule. (Buch und Kassette). verlag modernes lernen, Dortmund 2001
Krowatschek, D. & Zuzak, U.: Entspannung in Kindergarten und Grundschule (Buch und CD). AOL-Verlag, Lichtenau 2000
Krowatschek, D.: Mit dem Zauberteppich unterwegs ? (Buch und CD). AOL-Verlag, Lichtenau 2002
Krowatschek, D.: Entspannung mit Jugendlichen. (Buch und Kassette). verlag modernes lernen, Dortmund 2002
Müller, E.: Hilfe gegen Schulstress (Buch). Rowohlt, Hamburg 1998
Murdock, M.: Dann trägt mich meine Wolke. Wie Große und Kleine spielend leicht lernen (Buch, Kassette oder CD). Verlag Hermann Bauer, Freiburg 1998
Teml, H.: Entspannt lernen (Stressabbau, Lernförderung und ganzheitliche Erziehung) (Buch). Veritas Verlag, Linz 1998
Vopel, K.: Zauberhände (Buch). Iskopress, Salzhausen 1994

Die in dieser Literaturliste aufgeführten Medien stellen nur einen kleinen Ausschnitt des in diesem Bereich vorhandenen Angebots dar. Ein Qualitätsurteil ist damit nicht verbunden.

Vorstehender Beitrag wurde uns freundlicherweise von der Redaktion der Zeit pluspunkt zur Verfügung gestellt, in dessen Ausgabe 4-2003 er veröffentlicht wurde. Herausgegeben wird pluspunkt vom Bundesverband der Unfallkassen. Der Verlag und Vertrieb wird von der Universum Verlagsanstalt vorgenommen. Interessierte finden pluspunkt in der Linkliste der vom ABA Fachverband empfohlenen Zeitschriften unter NAGEL-Redaktion -> Fachzeitschriften.

Die vorgestellte Entspannungsmethode ist auch für die Kinder- und Jugendarbeit sehr geeignet. Nähere Auskünfte erteilt der ABA Fachverband.

 

Nachfolgend ist ein wunderbares Praxisbeispiel, das Dieter Krowatschek dokumentiert hat, zur Nachahmung für einfühlsame PädagogInnen dokumentiert:

Stell dir vor, du unternimmst auf deinem Zauberteppich eine Traumreise. Du setzt dich ganz ruhig hin und atmest tief ein und aus. Nichts stört dich mehr. Du machst es dir ganz bequem. Du vergisst alles, was um dich herum geschieht. Du schließt die Augen und entspannst dich.

Ich zähle jetzt gleich von 1 bis 10, und dabei kannst du dich immer gelöster und entspannter fühlen. Immer sicherer und immer ruhiger. Du schließt die Augen und beginnst, dich zu entspannen.

 

Eins:           Du kannst dich jetzt entspannen.

Zwei:           Du vergisst alles, was um dich herum geschieht.

Drei:           Du atmest tief ein und aus.

Vier:           Du fühlst dich ganz sicher und ruhig.

Fünf:           Du bist immer gelöster und entspannter.

Sechs:          Du merkst: Meine Arme sind ganz ruhig.

Sieben:         Auch bei deinen Beinen stellst du fest:

                    Meine Beine sind ganz ruhig.

Acht:           Du kannst jetzt einfach abschalten.

Neun:           Nichts stört dich mehr.

Zehn:           Du bist jetzt bereit für die Traumreise auf

                  deinem Zauberteppich.

Du bist schon ganz gespannt, wohin der Zauberteppich dich heute bringt. Zuerst fliegt er noch einen weiten Bogen über der Schule und verschwindet dann in den Wolken. Zuerst kannst du gar nichts erkennen. Nach und nach werden die Wolken weniger, und du fliegst durch einen strahlend blauen Himmel.

Die Sonne scheint warm auf dich herab, und während du so fliegst, ist dein Körper auf eine angenehme Art schwer und entspannt.

Du merkst es zuerst an deinen Armen. Du merkst:

Mein rechter Arm ist ganz schwer.

Mein rechter Arm ist ganz schwer.

Und auch bei deinem linken Arm stellst du fest:

Mein linker Arm ist ganz schwer.

Mein linker Arm ist ganz schwer.

Meine beiden Arme sind ganz schwer.

Inzwischen kannst du unter dir das Blau des Meeres erkennen. Vor dir liegt eine Insel mit einem weißen Sandstrand und vielen großen Palmen. Du landest unter der größten Palme und gehst durch den warmen Sand. Du hast die Schuhe und die Strümpfe ausgezogen und spürst den warmen Sand unter deinen Füßen. Du läufst zum Wasser. Es weht ein leichter Wind, und du kannst das Salzwasser auf deinen Lippen schmecken. Kleine Wellen brechen sich an deinen Füßen. Das Wasser ist ebenfalls angenehm warm.

Da siehst du plötzlich vor dir eine alte grüne Flasche. Neugierig hebst du sie auf. Aber was ist das? In der Flasche liegt eine Botschaft! Du öffnest den Korken und ziehst vorsichtig den Zettel durch den engen Flaschenhals.

Auf dem Zettel steht: ?Hilfe, ich bin die Prinzessin Fatima und werde auf einem alten Schiffswrack gefangen gehalten.?

Du beschließt, das Wrack zu suchen, um die Prinzessin zu retten. Du wanderst zum Südende der Insel. Nach einiger Zeit wird die Küste steiniger, und bald befindest du dich am Rande einer Steilklippe, die fast senkrecht zum tosenden Meer abfällt. Von hier oben hast du einen guten Überblick. Zunächst entdeckst du nichts Ungewöhnliches, aber als du näher an den Klippenrand trittst, kannst du eine versteckte Lagune erkennen, die von steilen Felsen umrandet wird. Inmitten des Wassers liegt das halb gesunkene Wrack eines alten Segelschiffes. Die Segel sind verschlissen, und das Holz ist vermodert. Nur der hintere Teil des Rumpfes ragt noch weit genug aus dem Wasser, weil der Bug von einem Riff aufgerissen wurde. Du weißt sofort, hier wird die arme Prinzessin gefangen gehalten. Doch wie kannst du zu dem Wrack hinuntergelangen? Die Felswände sind steil und glatt, und es ist unmöglich hinunterzuklettern.

So beschließt du, zunächst einmal zurückzufliegen. Bei deiner nächsten Reise mit dem Zauberteppich wirst du mit einer Rettungsausrüstung zurückkehren.

Du gehst am Ufer entlang zurück zu deinem Zauberteppich, fühlst den Wind und riechst die Seeluft. Du fliegst zurück ins Hier und Jetzt. Dabei denkst du: Ich bin ganz ruhig, und meine Arme und Beine sind ganz schwer und ganz warm. Es ist schön, so durch die Luft zu schweben.

Und wenn ich jetzt gleich von 10 bis 1 zähle, ist das für dich ein Angebot, dass du allmählich ins Hier und Jetzt zurückkehren kannst. Wenn du wach geworden bist, fühlst du dich ruhig, zuversichtlich, ausgeglichen, stark, selbstbewusst und zufrieden.

Zehn:           Du kannst jetzt zurückkehren ins Hier und Jetzt.

Neun:           Du fühlst dich gelassen, ruhig und zufrieden.

Acht:           Du wirst allmählich wieder wach.

Sieben:        Du genießt deine Ruhe, Schwere und Wärme.

Sechs:        Erstaunlich, wie ruhig du dich fühlen kannst.

Fünf::          Es ist schön zu wissen, dass du entspannt sein kannst.

Vier:           Es macht Spaß, seine Fantasie zu entfalten.

Drei:           Du kannst jetzt deine Hände bewegen.

                  Du streckst die Arme nach oben.

Zwei:           Du atmest tief ein und aus.

Eins:           Du öffnest die Augen und bist zurückgekehrt

                  ins Hier und Jetzt.

Inhalt:

Der Zauberteppich fliegt zu einer Insel, an deren Strand eine Flaschenpost gefunden wird. Sie enthält die Botschaft, dass die Prinzessin Fatima auf einem Schiffswrack festgehalten wird. Das Wrack wird gesucht und gefunden. Um es zu erreichen, wird eine Rettungsausrüstung benötigt.

Durchführungshinweise:

Die Geschichte ist ab der Klasse 1 einsetzbar, wird aber auch in der Klasse 6 noch gern gehört. Sie kann fortgesetzt werden. Die Kinder werden nach weiteren Folgen fragen. Der Schluss kann aber auch so verändert werden, dass die Prinzessin schon in der ersten Geschichte gefunden wird.

Eine weitere Möglichkeit ist es, die Kinder zu befragen, wie sie sich den Fortgang der Geschichte vorstellen. In der Regel erhält man so viele Anregungen, dass man sich schließlich für eine Variante entscheiden muss.

Die Zahlen im Einstiegs- und Ausstiegsritual können miteinander verbunden werden, das heißt, dass nicht bei jeder Zahl unbedingt eine Instruktion notwendig  ist.

Man kann auch nur die Instruktionen sprechen, ohne dabei zu zählen. Allerdings hat sich in   

der Praxis gezeigt, dass Kinder es bevorzugen, wenn gezählt wird, weil sie dann wissen, an welcher Stelle der Entspannung sie sind.

NAGEL-Redaktion – Deutsche Kinder

Der Trend, auf den wir bereits vor geraumer Zeit verwiesen haben (siehe „Kinder, Jugendliche und Gesundheit“ von Rainer Deimel unter -> NAGEL-Redaktion -> Gesundheit von Kindern), setzt sich weiterhin fort.

Bis zu 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen weisen Haltungsschäden auf. Jeder dritte junge Mensch zwischen sieben und 17 Jahren klagt über Kopf- und Rückenschmerzen. Hierauf macht die Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation aufmerksam. Kinder sollten täglich mindestens 45 Minuten Sport treiben (dpa).

An dieser Stelle möchten wir erneut mit Entschiedenheit darauf verweisen, dass die von uns vertretenen Konzepte handlungsorientierter Pädagogik ? beispielsweise Abenteuerspielplätze ? wie keine anderen in der Lage sind, Kinder gesundheitlich zu fördern. Als „Säulen“ unserer Konzepte begreifen wir Bildung, Gesundheitsförderung sowie allgemeine pädagogische Unterstützung, dies zum Teil auch „ersatzweise“ (Stichwort: veränderte Familienkonstellationen). Andererseits erhalten Kinder nach Ansicht von Kinderärzten zu viele Therapien. Sie warnen Eltern, Kinder aus falschem Ehrgeiz behandeln zu lassen.

Die WAZ vom 29. Juli 2003 berichtete: „Jedes vierte nichtbehinderte Kind (27 Prozent) hat nach einer Studie bis zum neunten Lebensjahr mindestens eine Therapie durchlaufen: Ergotherapeuten behandeln Kinder mit Wahrnehmungsstörungen, für Sprachprobleme gibt es Logopäden, für Eingliederungsprobleme Heilpädagogen. Für tatsächlich therapiebedürftig halten Ärzte aber nur zehn Prozent der Kinder. Die Therapie-Nachfrage ist nach Erfahrung nordrheinischer Kinderärzte ungebremst. ´Der Wunsch nach einem möglichst perfekten Kind in dieser schwierigen Welt macht viele Eltern überkritisch´, sagte Verbandssprecherin Dr. Sylvia Schuster. ´Sie gehen bei jeder kleinen Norm-Abweichung ihres Kindes zum Arzt.´ Den Trend kritisiert auch Prof. Hans Georg Schlack, Leiter des Bonner Kinderneurologischen Zentrums: ´Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr in Ruhe groß werden. Der Leistungsdruck beginnt schon im Kindergarten. Doch wenn man ein Kind ständig betuttelt, bespielt und betherapiert, dann hemmt dies die eigenständige Entwicklung.´ Schuster warnt: ´Wird ein gesundes Kind zum Therapeuten geschleppt, dann wird dem Kind vermittelt: Du bist nicht wie andere. Das kann leicht zu Minderwertigkeitskomplexen führen.´“ Auch für solche Kinder könnten die Konzepte handlungsorientierter Pädagogik ein Segen sein. Aber: Wie sag´ ich´s „meinen Eltern“? Und wie bekomme ich Politik und Verwaltung endlich dahin, den Empfehlungen des 10. Kinder- und Jugendberichts (Bonn 1998) zu folgen, die besonders kindgerechten Konzepte „flächendeckend zu verstärken“? Der Kommentar der WAZ zu „unnötigen Therapien“ kann abgerufen werden über versandarchiv@ABA-Fachverband.org – Stichwort: „Unnötige Therapien- Archiv 2003“. Empfohlen sei an dieser Stelle erneut das Buch „Nachdenken über Zappelphilipp ? ADS ? Beweg-Gründe und Hilfen von Eckhard Schiffer (Beiratsmitglied im ABA Fachverband) und Heidrun Schiffer. Die AutorInnen kommen unter anderem zu dem Schluss, dass Abenteuerspielplätze ? im positiven Sinn ? wirksamer als Ritalin sind (Weinheim/Basel 2002).

i-Punkt 9-2003

NAGEL-Redaktion – Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Mit Bauchweh in die Schule

Kinder leiden zunehmend an depressiven Erkrankungen. Die Symptome sind vielfältig und häufig schwer zu erkennen. pluspunkt sprach mit Dr. med. Ulrich Rabenschlag, Diplompsychologe und ehemaliger Oberarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Freiburg.

pluspunkt: Kindheit ist für viele Menschen Synonym für Glück. Jugend bezeichnen viele als die schönste Zeit im Leben. Sind depressive Kinder und Jugendliche nur traurige Einzelfälle?

Rabenschlag: Die Häufigkeit von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen ist nicht sehr hoch. Bei kleinen Kindern, die noch nicht in die Schule gehen, rechnet man so ungefähr mit einem Prozent eines Jahrgangs. Bei Schulkindern, das heißt sechstes bis zwölftes Lebensjahr, sind es ungefähr zwei bis drei Prozent, bei Jugendlichen etwa 15 Prozent. Dabei ist zu beachten: Unsere Diagnosen sind so definiert, dass wir depressive Symptome über einen Zeitraum von sechs Monaten nachweisen müssen. Verhaltensauffällige Kinder mit einzelnen depressiven Symptomen tauchen in der Depressionsstatistik nicht auf. Würde man sie dazuzählen, käme man auf viel höhere Zahlen. Was wir als Depressionen im Kindesalter bezeichnen, ist nur die Spitze des Eisbergs.

pluspunkt: Was ist depressiv, und worauf lassen sich Depressionen bei Kindern und Jugendlichen besonders im Hinblick auf ihre Erfahrungen mit Schule zurückführen?

Rabenschlag: Hintergründe und Ursachen von Depressionen sind vielfältig. Man stellt sich das am besten so vor: Die depressive Reaktionsfähigkeit eines Menschen ist im Grunde genommen etwas ganz Ähnliches wie die Fähigkeit, bei Infekten Fieber zu produzieren. Das ist eigentlich eine sehr sinnvolle Einrichtung der Natur. Sie zwingt den Betroffenen zur Kurskorrektur. Als Ursache oder Auslöser für depressive Entwicklungen von Kindern in der Schule kommt Folgendes in Betracht: Eine wachsende Zahl von Schulkindern hat in ihrer sozialen Entwicklung überwiegend eine Zweierbeziehung erlebt. Diese Kinder haben nicht gelernt, sich in einer Gruppe zu behaupten und sich an der Gleichaltrigengruppe zu orientieren. Sie erleben Schule als Stressor, was bei ihnen auf Dauer Depressionen auslösen kann. Zweitens wirkt sich in der Schule zunehmend die Weltsicht der Eltern aus, wonach Lebenserfolg vom Schultyp und Leistungsstatus abhängt. Diese Sichtweise führt zu chronischer Überforderung vieler Schüler, die möglichst hohe Schulabschlüsse bringen müssen. Drittens begreifen Lehrkräfte manchmal nicht, dass das soziale Überleben in der Gruppe für Kinder im Schulalltag oft viel wichtiger ist als ihr Zensurenniveau. Sie merken nicht, dass ein Kind ausgegrenzt oder ständig gehänselt wird und als Folge eine Depression entwickelt. Viertens wird häufig unterschätzt, wie negativ sich problematische, meist depressive, desorganisierte Lehrerpersönlichkeiten auf Schüler auswirken können.

pluspunkt: Warum wird eine kindliche Depression von Eltern oder Lehrkräften vergleichsweise selten erkannt?

Rabenschlag: Eine ganze Reihe von kindlichen Verhaltensauffälligkeiten gehen mit Depressionen einher. Ein klassisches Beispiel ist die Schulphobie: Ein Kind hat Bauchweh, wenn es in die Schule soll. Seine Schulphobie hat aber mit der Angst vor der Schule wenig zu tun, sondern ist vielmehr ein depressives Symptom. Kindliche Depressionen können sich unter einer Maske verstecken. Und es gibt viele Masken, zum Beispiel Bauchweh, Angst, Aggressivität mit Destruktivität, Magersuchterkrankungen, Teilleistungsstörungen.

pluspunkt: Wie gefährlich ist eine unerkannte Depression?

Rabenschlag: Wenn Kinder oder Jugendliche, die bereits seit über einem Jahr an den milderen Symptomen einer depressiven Entwicklung (Dysthymie) gelitten haben, plötzlich eine depressive Episode erleben (Double-Depression), so ist die Prognose ganz besonders schlecht. Für sie besteht ein großes Risiko, dass ihr Leiden im Jugendalter in eine chronische depressive Entwicklung übergeht, die unter Umständen bis ins Erwachsenenalter reicht. Wird eine Depression nicht erkannt, kann das im schlimmsten Fall für ein Kind im Suizid enden.

pluspunkt: Auf welche Frühsymptome oder Verdachtszeichen einer kindlichen Depression sollten Lehrkräfte sensibilisiert sein?

Rabenschlag: Das Wichtigste sind die versteckten Mitteilungen: Suizidphantasien, Suizidandeutungen. Gefährdete Kinder und Jugendliche geben ständig Zeichen, zum Beispiel indem sie etwas schwarz umrahmen oder ein Kreuz malen. Wer eine kindliche Depression frühzeitig erkennen will, muss auch darauf achten, ob ein Kind auffallend schüchtern ist. Das gilt vor allem für Mädchen. Ihre Scheu wird häufig als mädchentypisch fehlinterpretiert. In diesem Zusammenhang sollte man wissen, dass bei Mädchen ab der Pubertät die Häufigkeit von Depressionen radikal ansteigt. Das hat unter anderem hormonelle Gründe. Bis zur Pubertät findet man hingegen häufiger depressive Jungen. Als weiteres wichtiges Verdachtszeichen gilt die erhöhte Kränkbarkeit eines Kindes. Zum Beispiel, wenn ein Schüler für eine Arbeit eine Drei statt einer Zwei erhält und extrem verletzt reagiert. Ein zusätzlicher Aspekt, den man bei Jungen nicht übersehen darf, sind aggressive und vor allem destruktive Verhaltensweisen. In depressiven Verstimmungen erleben es Jungen regelrecht als Kick andere zu quälen. Wenn in Raufereien vor allem Quälerisches gegenüber Mitschülern auftaucht, ist das hochverdächtig. Ein weiteres Symptom: Ein Kind wirkt, als sei überhaupt kein Antrieb, kein Funken Lebenskraft mehr in ihm. Es kommt morgens immer zu spät oder fehlt häufig im Unterricht.

pluspunkt: Was kann eine Lehrkraft tun, um diesen Kindern und Jugendlichen zu helfen?

Rabenschlag: Das Beste ist, die Lehrkraft spricht erst einmal alleine mit dem Kind. Erhält sie von ihm Andeutungen und Hinweise, die den Verdacht auf eine Depressionskrankheit erhärten, sollte sie sich an eine kompetente Person im Bereich der Schule wenden, zum Beispiel den Vertrauenslehrer oder Schulpsychologen. Der nächste Schritt wäre, den Eltern eine therapeutische Behandlung ihres Kindes nahe zu bringen. Das ist schwierig. Lehrkräften empfehle ich meist, den Eltern gegenüber deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass ihr Kind gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, am Unterricht teilzunehmen. Lehrkräfte sollten Eltern in diesem Fall dringend empfehlen, einen Kinderarzt aufzusuchen.

pluspunkt: Die Zunahme schwerer Verhaltensstörungen bei Schülern ist mit einem typischen Lehrerthema verbunden: der chronischen Überforderung im Schulalltag, dem Burn-out-Syndrom. Wie können Lehrkräfte ihren Unterricht gestalten, um nicht selbst Opfer einer schleichenden Depression zu werden?

Rabenschlag: Lehrkräfte tun gut daran, in ihrem Unterricht für ein möglichst stressfreies Arbeitsklima zu sorgen, das Depressionen verhindern kann. Die wichtigsten Aspekte sind: Erstens klare und sachbezogene Strukturierung der Zeit, der Aufgaben und der Rollen, zweitens saubere, intakte, helle und lärmabgeschirmte Arbeitsräume, drittens häufige positive Rückmeldungen, Vermeiden von Kränkungen und Ungerechtigkeiten, viertens keine Vermischung von persönlicher und sachbezogener Ebene, fünftens Gruppenziele formulieren, Cliquenbildungen entgegentreten, sechstens keine Toleranz gegen Intoleranz, zum Beispiel gegen Gewalt und Drogen.

Prinzipiell sollten sich Lehrkräfte schneller weigern, ein verhaltensauffälliges Kind weiter zu unterrichten, wenn es keine psychologische oder kinderpsychiatrische Hilfe bekommt. Würden Sie nicht auch ein Kind mit Fieber, Erbrechen oder einer ansteckenden Erkrankung nach Hause schicken? Das verlangt von der Lehrkraft Zivilcourage. Aber ohne das Nein der Lehrkraft kommen wir nicht voran.

pluspunkt: Wo erhalten Lehrkräfte Rat und Hilfe, wenn sie mit verhaltensauffälligen Kindern im Unterricht selbst nicht mehr zurechtkommen, und wohin können sie sich wenden, wenn sie sich über kindliche Depressionskrankheiten weiter informieren wollen?

Rabenschlag: Supervisionsgruppen sind genau der Ort, wo man Probleme wie Angst vor der Klasse ansprechen kann. Die haben sehr viele Lehrkräfte und darüber muss man sprechen. Hilfreich kann auch der Kontakt zu einer Balint-Gruppe sein. Adressen von Balint-Gruppen erhält man bei Psychotherapie-Instituten oder psychosomatischen Ambulanzen. Mit medizinischen und psychologischen Fragen über kindliche Depressionskrankheiten wenden sich Lehrkräfte am besten an schulpsychologische Dienste, an Erziehungsberatungsstellen oder kinderpsychiatrische Ambulanzen.

Mit Dr. med. Ulrich Rabenschlag sprach pluspunkt-Mitarbeiterin Gabriele Mosbach.

Zum Weiterlesen: Wenn Kinder nicht mehr froh sein können. Depressionen bei Kindern erkennen und helfen, Ulrich Rabenschlag unter Mitarbeit von Rudolf Heger, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2000,  192 Seiten, EUR 12,50

Vorstehender Beitrag wurde uns freundlicherweise von der Redaktion der Zeit pluspunkt zur Verfügung gestellt, in dessen Ausgabe 4-2003 dieses Interview veröffentlicht wurde. Herausgegeben wird pluspunkt vom Bundesverband der Unfallkassen. Der Verlag und Vertrieb wird von der Universum Verlagsanstalt vorgenommen. Interessierte finden pluspunkt in der Linkliste der vom ABA Fachverband empfohlenen Zeitschriften unter NAGEL-Redaktion -> Fachzeitschriften.

NAGEL-Redaktion – Bewegungsmangel -Störquelle für eine Balance von Lernen und Leben bei Kindern

Aus dem Rhythmus geraten
Von Klaus Hurrelmann

Kinder haben heute keine Kinderkrankheiten mehr. Akute Infektionskrankheiten, die noch vor einer Generation vorherrschten, sind durch moderne Medikamentierung fast völlig zurückgedrängt worden. Auch die vorherrschenden chronischen Erkrankungen sind dank einer sehr guten Diagnose, Behandlung und Nachsorge, bei Kindern selten. Auf den ersten Blick ist die junge Generation heute so gesund wie noch nie, wenn uns auch die wachsenden Probleme bei Stoffwechselkrankheiten und Allergien zu denken geben sollten.

Deswegen lohnt sich der zweite Blick, und der offenbart eine sehr problematische Konstellation. Inzwischen zeigt die Forschung, dass mehr Kinder und Jugendliche gesundheitliche Störungen aufweisen, die im Schnittbereich zwischen Körper, Psyche und Umwelt liegen. Beeinträchtigungen des Immunsystems, der Sinneskoordination und der psychischen und sozialen Belastungsregulation werden auffälliger. Kinder mit dem Hyperaktivitäts-Syndrom und Übergewicht sind zunehmend in Kindergärten und Schulen zu finden. Viele dieser Störungen haben eine genetische, in der Persönlichkeit tief verankerte Komponente, die aber nur deshalb zum Zuge kommt, weil psychische, soziale und ökologische Schutzfaktoren verloren gegangen sind. Bei Kindern mit erheblichen Gesundheitsstörungen im psycho-, sozio- und ökosomatischen Bereich sind die elementaren Prozesse des Austauschs der inneren mit den äußeren Lebensbedingungen aus dem Rhythmus geraten. Diese Kinder haben ihre Lebenstüchtigkeit und ihre Kompetenz eingebüßt, sich mit Körper, Seele, sozialer und physischer Umwelt angemessen auseinander zu setzen.

Der gemeinsame Nenner aller Störungen hat heute drei Ausgangsfaktoren: Fehlernährung, Bewegungsmangel und falsches Stressmanagement. Die Konzepte von Prävention und Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen und Schulen kreisen deswegen um jene Trias von elementaren gesundheitlichen persönlichen Merkmalen. Die Erkenntnis ist klar: Über die Beeinflussung des Bewegungs- und Ernährungsverhaltens und das Training in einem kompetenten Stressmanagement lassen sich sehr viele der Probleme bearbeiten, die mit dem schlecht trainierten Immunsystem, der fehlenden Anregung und Schulung der Sinne, der Verbesserung der motorischen Koordination, des Abbaus von Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität sowie der Stärkung von Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz zu tun haben.

Die vielleicht entscheidende Störquelle für die gelingende Balance von Risiko- und Schutzfaktoren bei Kindern und Jugendlichen sehe ich heute in dem Mangel an alters- und körperangemessener Bewegung. Bewegung reguliert einerseits die Nahrungszufuhr und den Kalorienverbrauch, sie trägt andererseits aber auch zum Stressabbau und zur Abfuhr innerer Spannungen und Aggressionen bei.

Angemessene Bewegung ist so gesehen das wichtigste Medium der körperlichen und psychischen Entwicklung, es ermöglicht die Erkundung und Aneignung der sozialen und physikalischen Umwelt, sorgt für die Koordination aller Sinneserfahrungen und ist der Motor für die gesamte körperliche, psychische und soziale Entwicklung eines Kindes.

Kinder haben einen natürlichen Bewegungstrieb, der heute offensichtlich durch eine unglückliche Gestaltung ihrer sozialen und räumlichen Lebenswelt eingeengt und gezähmt wird. Wenn Achtjährige täglich neun Stunden sitzen und ihre aktive Bewegungszeit nur eine Stunde beträgt, gerät der gesamte Stoffwechselhaushalt ebenso durcheinander wie das natürliche Hungergefühl und die Koordination ihrer Sinne. Haltungs- und Koordinationsschwächen, Seh- und Hörstörungen, Übergewicht und Allergien sind die Konsequenzen dieser ungesunden Verhaltensweisen. Durch übertriebene Sauberkeit und Hygiene wird auch die Fähigkeit des kindlichen Immunsystems geschwächt, körpereigene Widerstände zu erzeugen.

Alle sensiblen Konzepte der Gesundheitsförderung setzen aus diesen Gründen auf die Förderung von Aktivität und handelnder Tätigkeit einschließlich der Kunst, Aggressionspotenziale spielerisch aufzunehmen, zu kanalisieren und freizugeben, etwa durch Musik, Kunst und Theater, aber auch durch Gestaltung von Schulhöfen und Spielplätzen.

Diese Ansätze der Gesundheitsförderung sind inzwischen zu einer wichtigen Voraussetzung für Bildungs- und Unterrichtsprozesse geworden. Kindergärten und Schulen, welche die körperlichen, psychischen und sozialen Voraussetzungen von Bildung und Lernen übersehen, erzielen auch keine guten Resultate.

Lern- und Leistungsbereitschaft können bei Kindern und Jugendlichen nur geweckt werden, wenn sie sich körperlich, psychisch und sozial wohl fühlen. In diesem Sinne gehören Gesundheitsförderung und Leistungsförderung unbedingt als eine Einheit zusammen.

Die „Erlebnispädagogik“ von Kurt Hahn hat diese Erkenntnis schon in den 1920er-Jahren anschaulich auf den Punkt gebracht. Es wird Zeit, diese Konzepte wieder zu entdecken und sie auf die heutigen Bedingungen in Kindergarten und Schule zu übertragen.

Klaus Hurrelmann ist Professor an der Universität Bielefeld – Mitglied im Fachbeirat des ABA Fachverbandes. Vorstehender Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Erziehung und Wissenschaft“ 12/2003 der GEW entnommen. Eingestellt auf diese Internetseite wurde er im Dezember 2003.

NAGEL-Redaktion – Kleine Kinder nicht zu oft baden

Für Kleinkinder gilt das Gleiche wie für Erwachsene: Zuviel Baden ? vor allem mit Seife ? entzieht der Haut das erforderliche Fett und schwächt so den natürlichen Säureschutzmantel, der wiederum erforderlich ist, um Menschen gegen Infektionen zu schützen. Diese falsch verstandene Hygiene macht also eher krank. Kinder sollen nicht öfter als ein bis zwei Mal pro Woche gebadet werden und dies nicht länger als für Minuten in etwa 37° warmen Wasser.

 

InformationsDienst 7-2002

NAGEL-Redaktion – Altersdiabetes bei Kindern

Übergewicht und mangelnde Bewegung sind laut Deutschem Diabetes-Forschungsinstitut (Düsseldorf) ursächlich an der Entstehung von Diabetes Typ II beteiligt. An diesem Diabetes-Typ (Altersdiabetes) litten insgesamt 95 Prozent der Betroffenen. Beim Typ I produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin, sodass der Zucker aus dem Blut nicht in die Körperzellen aufgenommen werden kann. Beim Typ II wird zwar Insulin produziert, die Körperzellen können dies aber nicht mehr „erkennen“. Von 1985 bis heute stieg die Zahl der DiabetikerInnen weltweit von 30 Millionen auf 177 Millionen (in Deutschland fünf Millionen). Zwei Millionen Deutsche (500 000 in Nordrhein-Westfalen) sind laut Forschungsinstitut unwissend erkrankt. Symptome: Müdigkeit, Schwäche, Durst und starker Harndrang. Mögliche Folgen: Herzinfarkt, Schlaganfall, Amputationen und Erblindungen. Alarmierend, dass bereits Grundschulkinder betroffen sind. Ernährung und Bewegung seien hilfreicher als Tabletten. Dies zeigten Studien aus Finnland und den USA. Wieder ein Argument, das für die flächendeckende Erweiterung kinderspezifisch entwickelter Konzepte spricht (Abenteuerspielplätze, Kinderbauernhöfe usw.). Infos unter http://www.diabetes-nrw.de/ und http://www.diabetikerbund.de/

InformationsDienst 12-2002

NAGEL-Redaktion – Zu viel Hygiene Schuld an Allergien

In Deutschland, Großbritannien und den USA habe bereits jeder fünfte Einwohner zumindest eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit, sagte der hannoversche Professor Stephan Bischoff bei einem internationalen Kongress von Ernährungs-Medizinern in Göttingen. Ein bis zwei Prozent aller Erwachsenen und zwei bis sechs Prozent aller Kinder hätten mit „echten“ Allergien zu kämpfen. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist nach den Worten Bischoffs ein Übermaß von Hygiene schon im Kindesalter. Das Immunsystem könne sich nur dann normal entwickeln, wenn es einer gewissen Belastung durch Krankheitserreger ausgesetzt sei. „Wir leben zu sauber“, erklärte Bischoff. (Göttingen dpa/vista verde news ? Wissenschaft & Technik vom 17.11.2003)

i-Punkt 2-2004

NAGEL-Redaktion – Haustiere mindern das Allergie-Risiko

Der Umgang mit Haustieren hilft, Kinder besser zu immunisieren. Hierauf wurde bereits in dem Beitrag „Kinder, Jugendliche und Gesundheit“ von Rainer Deimel im NAGEL 63 verwiesen. Mit Datum vom 21. Oktober 2002 greift die WAZ das Thema erneut auf. Sie berichtet: „Allergien zählen zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten unserer Zeit. Eltern achten sehr sorgfältig darauf, mögliche Allergierisiken von Kindern fernzuhalten. Irrtümlicherweise wird dabei oft der Kontakt zu Heimtieren unterbunden. Ein Fehler in zweifacher Hinsicht, denn ersten seien Haustiere für die positive Entwicklung von Kindern wichtig für die spätere Sozialkompetenz, so eine Untersuchung der Universität Utah (USA). Zweitens zeigt eine Studie der Uni im schwedischen Göteborg, dass das Allergie-Risiko bei Kindern durch den Kontakt zu Heimtieren sinkt. Deshalb sei es wichtig, Kindern den Umgang mit Tieren zu ermöglichen. Werden dabei einige Regeln beachtet, besteht aus hygienischer Sicht kein Grund zur Besorgnis. Entscheidend ist, das Tier medizinisch gut zu versorgen. Ansonsten reicht es, Futterstelle, Toilette und Lager des Tieres regelmäßig zu säubern. Die Göteborger Studie zeigt weiter, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren intensiven Kontakt zu Tieren hatten, im Grundschulalter nicht so häufig an allergischem Schnupfen litten. Im Jugendalter waren außerdem weniger Asthma-Erkrankungen zu verzeichnen.“

 

InformationsDienst 11-2002

NAGEL-Redaktion – Allergien bei Kindern

Nachdem sich die Zahl der allergiekranken Kinder innerhalb von zehn Jahren verdoppelt hatte und erschreckenderweise Kinder doppelt so häufig wie Erwachsene betroffen sind (Prof. Dr. Claus Krögel, vgl. Rainer Deimel: „Kinder, Jugendliche und Gesundheit“, in: DER NAGEL 63/2001, S. 30), gibt es Hinweise auf eine Stagnation. Laut einer Umfrage von Emnid sei die Zahl von 248 Fällen pro Quartal pro Arzt gleich geblieben. Dies berichtete die WAZ am 20. September 2002 mit Bezug auf eine ap-Meldung. Die Zahl der Allergietests bei Kindern hingegen sei seit 1997 von einen Drittel auf nunmehr 54 Prozent angestiegen. Von einer „Trendwende“ zu sprechen scheint allerdings verfrüht. Nie zuvor waren derart viele Kinder betroffen. Dies wird auch durch eine Einschätzung des Allergologen Wolfgang Leupold bestätigt. Seiner Auffassung zufolge sind 35 Prozent aller Deutschen potentielle Allergiker. Als Tagungspräsident des Kongresses des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), der vom 13. ? 15. September 2002 stattfand, führte er aus, dass der Grundstein für spätere Allergien nicht selten in den letzten Schwangerschaftswochen und den ersten Lebensmonaten gelegt wird. Nach Leupold sind Kinder verstärkt Allergien ausgesetzt. Leupold bestätigte, dass eine Desensibilisierung ? also eine Immuntherapie ? das probateste Mittel sei, Allergien zu begegnen. Hierauf hatten wir bereits im erwähnten Beitrag in DER NAGEL 63/2001 hingewiesen. Dieser Beitrag wird in Kürze auch über das Internet abrufbar sein.

 

InformationsDienst 10-2002

NAGEL-Redaktion – ADS: Hunde beruhigen fast jeden „Zappelphilipp“

Hunde vermitteln Kindern ein Gefühl der Sicherheit und stärken ihr Selbstwertgefühl. Denn Hunde nähern sich ihnen ohne Vorbehalte und Forderungen; sie geben ihre Zuneigung stets bedingungs- und rückhaltlos und haben immer Zeit ? nie ist einem Hund etwas anderes wichtiger als sein „kleiner Freund“. „Viele aufmerksamkeitsgestörte Kinder, viele hyperaktive, aber auch Kinder, die durch Clownereien und Hampeleien auffallen, können doch ganz ruhig und selbstverständlich mit dem Tier spielen“, schreibt der Psychologe Prof. Dr. Erhard Olbrich von der Universität Erlangen/Nürnberg. Was den Hund vor anderen Heimtieren auszeichnet, ist seine außerordentliche Fähigkeit, mit dem Menschen zu kommunizieren. Er stellt sich auf seine Halter ein und versteht rasch, was sie von ihm wollen. Für das Kind bedeutet jedes Kommando, das der Hund ausführt, ein Erfolgserlebnis, das ihm Selbstvertrauen gibt. Besonders wichtig ist dies für nervöse und unruhige Kinder, die Schwierigkeiten haben, eine Sache zu Ende zu bringen. Die positive Erfahrung mit dem Hund motiviert sie dazu, auch andere Aufgaben konzentriert und mutig anzugehen (IHV/ Tip der Woche vom 3. Mai 2004).

 

i-Punkt 7-2004

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