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NAGEL-Redaktion – Bestrafen von Kindern

Zehn Argumente gegen seelische und körperliche Schläge

von Jan Hunt

1. Kinder zu schlagen, lehrt sie, selbst zu Schlagenden zu werden. Studien und Untersuchungen haben den Zusammenhang zwischen Strafen in der Kindheit und gewalttätigem Verhalten von Jugendlichen und Erwachsenen eindeutig bewiesen. Nahezu alle gefährlichen Verbrecher waren in ihrer Kindheit regelmäßig bedroht und gestraft worden.

2. Die Bestrafung hinterlässt die Botschaft, es sei richtig, jemanden, der kleiner und schwächer ist als man selbst, zu misshandeln. Das Kind meint dann, es sei gut, kleinere Kinder mit Gewalt zu etwas zu zwingen. Als Erwachsener empfindet dieser Mensch kein Mitgefühl mit Schwächeren oder weniger Erfolgreichen und fürchtet die Stärkeren.

3. Kinder lernen am besten durch das Vorbild der Eltern. Strafen enthalten die Botschaft, man könne mittels Gewalt Gefühle ausdrücken und Probleme lösen. Wenn das Kind nicht erleben kann, dass die Eltern mit Ärger und Problemen phantasievoll und positiv umzugehen wissen, wie soll es selbst diese Fähigkeit ausbilden? Die Umgangsformen der Eltern gehen auf die nächste Generation über.

4. Das oft zitierte „Spare die Rute nicht“ ist in der Bibel lediglich an einer Stelle in den „Weisheiten Salomons“ im Zusammenhang mit Kindern erwähnt. Salomons Praktiken erwiesen sich bei der Erziehung seines Sohnes Rehabeam als sehr schlecht. Jesus sah die Kinder nahe bei Gott und sprach von Liebe, nicht von Strafe.

5. Die Liebe zwischen Eltern und Kindern wird durch Strafen unmöglich gemacht, weil kein Mensch einen anderen wirklich lieben kann, der ihn körperlich und seelisch bestraft. Ein wahres Zusammenwirken zwischen Eltern und Kindern kann nur in liebevollen Gefühlen gründen, die durch viele Beispiele von freundschaftlichen und zusammenwirkenden Handlungen entstanden sind. Strafen, sogar wenn sie erfolgreich zu sein scheinen, produzieren nur „gutes“ Verhalten aus Angst.

6. Wut, die nicht gefahrlos ausgedrückt werden kann, wird innerlich gespeichert. Wenn diese Wut lange zurückgehalten worden ist, kann sie plötzlich, für die Eltern völlig überraschend, zum Ausbruch kommen, wenn der Heranwachsende später einmal ausreichend Kraft besitzt, seinen Zorn auszudrücken. Das „gute“ Verhalten bestrafter Kinder wird später von den Eltern und der Gesellschaft teuer bezahlt.

7. Schläge auf das Gesäß, während der Kindheit eine der erogenen Zonen, können zur Verknüpfung von Schmerz und erotischer Lust und damit zu Schwierigkeiten im späteren Leben des Erwachsenen führen.

8. Hiebe können auch körperlichen Schaden anrichten. Schläge auf das untere Ende der Wirbelsäule bewirken einen Schock die ganze Wirbelsäule entlang; dadurch können sogar Blutergüsse im Gehirn verursacht werden. Beschädigungen von Nerven können zu Lähmungen führen

9. In jedem Fall antwortet das Kind auf die Vernachlässigung seiner fundamentalen Bedürfnisse früher oder später mit Krankheit oder Destruktion. Sein größtes Bedürfnis ist die liebende Aufmerksamkeit der Eltern. Leider erhalten in unseren Tagen nur wenige Kinder genug Zeit und Aufmerksamkeit von Seiten ihrer Eltern, weil diese oft müde und abgelenkt sind und dem Kind zuwenig Verständnis und Geduld entgegenbringen. Es ist im tiefsten Sinne ungerecht und nicht fair, das Kind zu bestrafen, wenn es doch nur ganz natürlich auf die Vernachlässigung seiner wichtigsten Bedürfnisse und Wünsche reagiert.

10. Bestrafungen lenken das Kind vom Geschehen in der konkreten Situation und den eigentlichen Problemen ab. Es ist innerlich mit Schmerz, Angst, Wut und Rache beschäftigt. Damit wird ihm die Gelegenheit genommen, Probleme in kreativer Weise zu lösen. Die Eltern berauben sich durch das Strafen des Kindes der Möglichkeit, mit dem Kind spielerisch Problemlösungen zu üben und ihm Weisen zu vermitteln, wie mit Schwierigkeiten umgegangen werden kann. Strafen verhindern, dass das Kind lernt, sich in schwierigen Situationen zurechtzufinden. Liebende Begleitung ist der einzige Weg, um die nächste Generation zu wirklich kooperativem Verhalten zu befähigen. „Gutes“ Verhalten, das in Angst gegründet ist, kann niemals ein friedliches Zusammenleben bewirken. Starke innere Werte können nur in Freiheit gedeihen.

Frei ins Deutsche übertragen von Alice Miller

 

Warum man Kinder nicht strafen soll

Von J. Konrad Stettbacher

Auch das Kind macht Fehler. Wenn sein Handeln ihm Schmerzen bereitet, dann wird es den Fehler merken und sein Verhalten ändern, sobald ihm das möglich ist. Es wird versuchen, die Fehler zu vermeiden.

Wird das Kind für Fehler bestraft, gescholten, geschlagen, entstehen in ihm negative Gefühle, zerstörerische und selbstzerstörerische, schlummernde negative Reaktionen. Weil es keine Fehler machen will und die Eltern liebt, auf sie angewiesen ist, kann es meist Brutalität und Demütigungen der Eltern nicht als solche erkennen. Strafe sei Liebe, ist eine Lüge. Bestrafung bewirkt Fehlleistungen in der Aufmerksamkeit des Kindes, es bezweifelt die Fähigkeiten und Möglichkeiten seiner Person, es wird unkritisch gegen Menschen und beginnt gleichzeitig zu hassen.

Ein Kind, das ständig kritisiert wird, lernt verdammen.

Ein Kind, das ständig geschlagen wird, lernt selbst zu schlagen.

Ein Kind, das der Ironie ausgesetzt wird, wird verwirrt.

Zum Gegenteil:

Ein Kind, das ermuntert wird, lernt Selbstvertrauen.

Ein Kind, dem mit Toleranz begegnet wird, lernt Geduld.

Ein Kind, das gelobt wird, lernt Bewertung.

Ein Kind, das Ehrlichkeit erlebt, lernt Gerechtigkeit.

Ein Kind, das Freundlichkeit erfährt, lernt Freundschaft.

Ein Kind, das Geborgenheit erleben darf, lernt Vertrauen.

Ein Kind, das geliebt, geschützt und umarmt wird, lernt Liebe in dieser Welt zu empfinden.

Ein Kind, dem Achtung und Verständnis entgegengebracht werden, weiß sich in der Welt und Gesellschaft zu Hause.

Anm. der Red.: Von J. Konrad Stettbacher erschien bei Hoffmann und Campe, Hamburg (1990) der Band „Wenn Leiden einen Sinn haben soll. Die heilende Begegnung mit der eigenen Geschichte.“

aus: DER NAGEL 54/1992

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