Aba-Fachverband
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Empfehlung „Sand als Spielelement“

Foto: Marga Germaine

Foto: Marga Germaine

„Du lehntest dich auf meinen Arm,
wir träumten ohn‘ Ermessen.
Die Menschen all im Lärm der Welt,
die hatten wir vergessen.“

Detlev von Liliencron: Festnacht und Frühgang

Wie selbst der TÜV inzwischen einräumt – dabei beruft er sich auf ein Gutachten des Landesgesundheitsamtes Stuttgart, das bereits aus dem Jahr 1974 resultiert –, ist ein regelmäßiger Sandaustausch nicht sinnvoll. Es liegen auch keine neueren Erkenntnisse vor, die dieses modifizieren würden.

Foto: ASP Hasenkamp, Herne

Foto: ASP Hasenkamp, Herne

Dementsprechend empfiehlt das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg in einem Rundschreiben an die Kommunen des Landes einen Sandaustausch in Intervallen von höchstens drei bis fünf Jahren. Ähnliche Untersuchungsergebnisse sind auch in Bayern bekannt geworden. Die Vermutung liegt nahe, dass sachgemäß und regelmäßig gepflegter Sand um so höhere Selbstreinigungskräfte entwickelt, je länger er liegt. Frischer Sand hingegen scheint für bakterielle Verunreinigungen anfälliger zu sein. Wichtig: Sand muss regelmäßig – mechanisch – gereinigt werden, etwa indem man ihn harkt und Schmutz (Kot, Scherben usw.) heraussammelt. Wenn etwa ein Hund seinen Kot im Sand ablässt, spielt es keine Rolle, ob der Sand einen Tag oder fünf Jahre alt ist. Der Sand sollte ständig gut belüftet und nicht permanent nass oder feucht sein; dies würde zu krankmachenden Fäulnisbildungen führen.

Diplom-Ingenieur Franz Danner vom TÜV in Bayern gibt folgendes zu Protokoll (Sicherheit auf dem Spielplatz, 1997): „Die Höhe der Keimzahlen und der Anzahl der Würmer ist nicht vom Alter des Sandes, sondern nur von klimatischen Gegebenheiten und kurzfristigen Verunreinigungen vor der Probeabnahme abhängig. Zudem ist bei frischem Sand der Abbau von Kot wegen dem Fehlen von coliformen Keimen deutlich verzögert. Spielsand sollte deshalb regelmäßig mechanisch gereinigt werden (mit einem stehenden Sieb), um Fremdkörper und organische Anteile (Steine, Laub, Äste etc.) zu entfernen. Zugangsbarrieren (beispielsweise Gitter im Boden) für Hunde sind sinnvoll. Zudem sollte im Kindergartenbereich eine Nachtabdeckung zum Schutz vor Katzen vorhanden sein. Bei der Anlage der Sandspielfläche sollte darauf geachtet werden, dass ausreichend Sonneneinstrahlung erfolgen kann und der Sand durch geeignete Drainage auch regelmäßig austrocknet, da dadurch die Höhe der Bakterienzahlen positiv beeinflusst wird.“

Es ist nicht abzustreiten, dass Sand bereits beim Abtransport aus der Kiesgrube verunreinigt werden kann, spätestens aber beim Betreten durch die Kinder mit verschmutzten Schuhen. Um völlig auf „Nummer Sicher“ zu gehen, dürfte man dann Sand überhaupt nicht mehr als Spielelement nutzen. Andererseits hat die moderne Allergieforschung inzwischen mehrfach darauf hingewiesen, dass der Kontakt von Kindern zu Naturelementen (wie zum Beispiel Erde) und Tieren durchaus antiallergen wirkt, da über diese Berührung das kindliche Gehirn Impulse entwickelt, das Immunsystem zu stabilisieren. Genau dies wird über Sterilität verhindert. Das Gehirn bekommt dann keine Hinweise mehr, Abwehrkräfte zu entwickeln; dies wird quasi „verlernt“ – die Folge: ein Ansteigen von Allergien. Dies erklärt auch, warum bei Bauernkindern Allergien so gut wie unbekannt sind. Oder – wie man bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts seitens unserer Eltern festzustellen pflegte: „Dreck reinigt den Magen!“

Als Spielsand kann jeder Sand benutzt werden. Bei der Anschaffung ist allerdings zu bedenken, welchen Zweck er erfüllen soll. So genannter gewaschener Sand (Quarzsand Körnung 0/2 mit weniger als fünf Prozent Massenanteilen kleiner als 0,2 mm) verfügt über stoßdämpfende Eigenschaften und eignet sich somit als Fallschutz, wenn er eine Dicke von mindestens 30 cm aufweist. Gewaschener Sand wird ferner als sauber empfunden: Die Kinder verlassen den Sandbereich nach dem Spielen fast so „unverschmutzt“, wie sie ihn betreten haben.

Gelber Schmiersand (etwa aus Haltern-Flaesheim) ist beispielsweise nicht gewaschen. Er enthält – im Gegensatz zum gewaschenen – höhere Anteile von Feinanteilen wie Ton und Lehm. Solcher Sand ist besonders zum Modellieren geeignet. Kinder können „Kuchen backen“, Skulpturen, Kanäle, Flüsse und anderes bauen. Bisweilen konnten wir auch Kinder beobachten, die sich voller Freude in solchem Sand „wie die Schweine suhlten“. Der Spielwert dieses Sandes wird von uns als besonders hoch eingestuft, etwa als Element in einem Wasser-Sand-Matsch-Bereich auf einem Abenteuerspielplatz. Zu bedenken gilt hier, dass sich die Kinder beim Spielen tatsächlich wesentlich stärker „verschmutzen“, als dies bei gewaschenem Sand der Fall ist. Gleichwohl sollte bedacht werden, dass dieses sinnliche Spiel möglicherweise so günstig stimuliert, dass es entwicklungs- und gesundheitsförderlicher sein kann, als dies bei weniger bearbeitbarem Sand der Fall ist.

Zusammenstellung: Rainer Deimel (ABA Fachverband) und Andreas Siebeck,
Landschaftsarchitekt (Planungsbüro Stadt-Kinder, Dortmund)

Foto: Thomas Schwake

Foto: Thomas Schwake

Ergänzung zum Thema Reitplätze

Im Rahmen der Arbeit des ABA-Arbeitskreises „Tiergestützte Pädagogik“ machte unsere Expertin Violetta Berger darauf aufmerksam, dass es für eine artgerechte Tierhaltung speziellen Sand für Reitplätze und Ausläufe gibt, etwa den „Stresan-Reitsand“ von der Fa. Stremmer aus Bottrop. Dieser Sand wird auf mindestens 30 cm Schotter mit 1-2 Prozent Gefälle etwa 10 cm hoch aufgetragen. Es entsteht eine Bodenschicht, die der des Wattenmeeres vergleichbar ist. Ein solcher Untergrund schützt die Gelenke der Tiere. Die Fa. Stremmer beschreibt den Sand:

Die Kirchhellener Firma Stremmer Sand + Kies GmbH stellt einen Spezialsand her, der besonders für den Reitsport geeignet ist

Der Kirchhellener Quarzsand verfügt über hervorragenden Eigenschaften – besonders für den Pferdesport. Er kann Wasser sehr lange halten und wird daher weder zu fest noch zu weich für die Tiere. Bei herkömmlichem Sand hingegen wird der Boden zu schnell trocken, sodass eine erhöhte Verletzungsgefahr für die Pferde besteht.

Pferde dürfen nach einem Sprung nicht zu tief in den Boden eindringen. Das Geläuf darf aber auch nicht zu hart sein, sondern muss immer ein bisschen nachgeben. Der bei der Firma Stremmer hergestellte Sand sorgt für genau so einen Bodenbelag. Das Geheimnis der Mixtur aus Sand, Holzspänen und Vliesschnitzeln, die für gute Federung und Stabilität des Sandes sorgen, sind kleine blaue Schwämmchen.
Auf diese Schwämmchen, die eine Größe von etwa einen Zentimeter haben, hat sich die Firma ein Patent eintragen lassen. Sie speichern das Wasser sehr lange und sorgen so für einen optimalen Bodenbelag. Die Mischung des Sandes wird individuell auf die unterschiedlichen Reitsportarten abgestimmt.

Stremmer Sand + Kies GmbH
Raiffeisenstrasse 24
46244 Bottrop-Kirchhellen
02045-9542-0 

Empfehlung des ABA Fachverbandes vom 8. November 2006
Aktualisierung 22. August 2011 (de)
Letzte Aktualisierung: 24. September 2014 

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