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NAGEL-Redaktion – Qualitätsstandards – Vorschlag GEW und ver.di (2009)

Ein Vorwort

Begünstigt durch das schlechte Abschneiden in den PISA-Studien verstärkte sich in Deutschland die Diskussion um die Ganztagsschule. In der Grundschule begann eine breiter angelegte Umstrukturierung ab dem Jahr 2003. Immer mehr Grundschulen fügten an ihren Unterricht das Modell der „Offenen Ganztagsgrundschule“ an. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und ver.di haben diesen Prozess in Ostwestfalen-Lippe besonders intensiv und kritisch begleitet. Beide Gewerkschaften haben andere Vorstellungen von der Gestaltung eines Ganztages für Schülerinnen und Schüler. Sie vertreten Modelle, in denen Schule ganztägig zu einem lebendigen Lern- und Lebensumfeld – und zwar für alle die Schule besuchenden Kinder – entwickelt wird. Die Landesregierung war nicht bereit, in den Grundschulen die Weichen in diese Richtung zu stellen. Im Gegenteil, bereits bestehende Ganztagsgrundschulen mussten ihr Engagement einstellen und das neue Modell der OGS übernehmen. Grund: Die Kosten sind geringer.

Dass die Landesregierung nicht wüsste, wie es besser geht, kann man nicht sagen. Sie finanziert aus politisch opportunen Gründen qualifizierte Konzepte, wenn es um die Sicherung der Hauptschulen geht; hier wird ein Personalzuschlag von 30 Prozent ermöglicht, den es so in keiner anderen Schulform gibt.

Unberücksicht bleiben bei fast allen Konzepten die Arbeitsplatzinteressen der Beschäftigten. Die ausgeweiteten Arbeitszeiten in der Schule führen zur weiteren Belastung, für die den Lehrkräften kein zeitlicher Ausgleich und kein angemessener Arbeitsplatz angeboten werden. Insbesondere aber die Beschäftigten der Offenen Ganztagsgrundschulen arbeiten meistens in finanziell unattraktiver Teilzeit und werden häufig -selbst wenn die Träger dies gerne umsetzen würden- nicht tariflich bezahlt, denn das System OGS ist unterfinanziert.

GEW und ver.di haben vor diesem Hintergrund mit den Beschäftigten Standards diskutiert und aufgestellt. Am 9. März 2009 wurden sie von 100 pädagogischen Mitarbeitern von ostwestfälischen offenen Ganztagsschulen in Herford verabschiedet. Sie sollen ein Anstoß für die Diskussion sein, zunächst den offenen Ganztag qualifizierter zu gestalten. Sie sollen aber zugleich auch Prüfstein für das Engagement von Trägern und Kommunen und die künftigen Entscheidungen von Politikern in Nordrhein-Westfalen sein.

Sabine Unger (GEW OWL, Vorsitzende), Brigitta Schulze (GEW OWL, Vorsitzende Fachgruppe Sozailpädagogische Berufe), Hermann Janßen (ver.di, Bezirk Herford-Minden-Lippe, stellvertretender Geschäftsführer)

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Qualitätsstandards der OGS


1. Beitragsfreiheit für jedes Kind

● Täglich ein warmes, kostenloses und gesundes Mittagessen
● Kostenfreie Teilnahme aller Kinder an der OGS und an Maßnahmen bis 13 Uhr


2. Personelle Ausstattung

Die gute und nachgewiesene Qualifikation des gesamten Personals ist eine Voraussetzung. Das pädagogisch eingesetzte Personal muss entsprechende Abschlüsse aufweisen. Es sind multikulturelle Teams nötig. Es sollten multiprofessionelle Teams gebildet werden. Multiprofessionalität muss durch die Ausstattung mit finanziellen Mitteln ergänzt werden können. Die Beschäftigung von 1-Euro-Kräften ist nur zusätzlich zuzulassen. Das Abdecken von Personalbedarfen mit diesen Kräften ist unzulässig.

Solange es in NRW keine verbindlichen Ganztagsschulen gibt, müssen die Grundschulen die Betreuung bis 13 Uhr ebenfalls angebotsorientiert weiter anbieten können.

Personal:

● 10 Kinder/35 Wochenstunden (Verzahnungsstunden GS-OGS, Vor-/Nachbereitung, Teambesprechungen, Beratung …)
● Zusätzlicher Pool für Vertretung einrichtungsübergreifend

Weiteres Personal:

● Ressourcen für multiprofessionelle Dienstleistungen: Kinder- und Jugendhilfe, Psychologen, Therapeuten, …
● Qualifizierte Honorarkräfte für die AGs und Projekte

Bezahlung der Beschäftigten:

● Die Bezahlung muss nach den gültigen Eingruppierungstarifen erfolgen, die die Gewerkschaften mit den Arbeitgebern vereinbart haben.
● Honorarkräfte für AGs müssen mit mindestens 20 Euro bezahlt werden.


3. Aufgaben

Die Zeitressource muss folgende Aufgaben abdecken:

● Arbeit mit den Kindern
● Bedarfsgerechte Betreuung in Kernzeiten der Ferien
● Vor- und Nachbereitung, Förderplanung
● Teambesprechungen, Supervision
● Einarbeitung und Anleitung von PraktikantInnen
● Elternarbeit in Einzelgesprächen, bei Hausbesuchen oder an Elternabenden
● Gespräche mit dem Träger, den LehrerInnen, der Schulleitung
● Hospitationen im Unterricht; ggf. eigenständige Angebote
● Kooperation mit den Partner, die in der OGS Angebote machen
● Kooperation mit Unterstützungssystemen: Kinder- und Jugendhilfe, Jugendamt, Therapeuten, …
● Verwaltung und Abrechnungen
● Fortbildung des Personals, z.T. auch gemeinsam mit den Lehrkräften
● Förderung von Kinderbeteiligung (z. B. „Kinderrat“) und partizipativen Prozessen (Rückmeldungen von Kindern, Eltern, Beschäftigten)


4. Pädagogische und organisatorische Koordinierung

● Einrichtung einer OGS-Leiter-Stelle; Ausstattung der Leitung mit Büro und entsprechender Ausstattung
● Anteilige Freistellung der Leitung (analog zur Kita-Leitung)
● Feste Ansprechpartner und Absprachen zur Aufgabenverteilung: Träger, Schulleitung, Lehrer, OGS
● Regelmäßige Treffen zur Koordinierung und pädagogischen Konsultation unter anderem vor Elternsprechtagen
● Integration des OGS-Personals in die schulischen Gremien; Verankerung in den entsprechenden Paragraphen des SchulG
● Verankerung von OGS-Themen auf der Tagesordnung der Schulgremien
● Integration der Elternvertreter in die schulischen Gremien; gesetzliche Verankerung


5. Räume

● Gruppen-/Klassenraum mit Nebenraum
● Essraum und Küche
● Rückzugs- oder Ruheraum
● Toberaum
● Sichere Flure, in denen eine päd. Gestaltung möglich ist
● Personalraum und Büro
● Kinder- und Personaltoiletten
● Räume für Elternarbeit und Begegnungsmöglichkeiten

 

6. Sonstige Ausstattungen und Bedingungen

● Etat für Bau, Instandhaltung, Renovierung, Ausstattung der Einrichtungen und Ersatzanschaffungen
● Etat für Lern-, Förder- und Spielmaterialien
● Etat für Exkursionen, Ausflüge u. Ä.
● Außenanlagen, die zum freien Spiel anregen
● Einbeziehung von Gesundheitsfaktoren: Lärmschutzmaßnahmen, passende Möblierung für das Personal, Gefährdungsbeurteilung und Gesundheitszirkel

 

Einstimmig verabschiedet am 9. März 2009 von 100 Kolleginnen und Kollegen der Offenen Ganztagsgrundschulen in Herford


Stand 9. März 2009  ©AG OGS GEW-verdi: Sabine Unger und Hermann Janßen, Ostwestfalen-Lippe

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