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Die Ehrenmitglieder – Wilfrid Polke

RTEmagicC_Polke_portrait-w-p-1.jpgDer ABA-Vorstand beschloss auf seiner Sitzung am 19. November 2007, Prof. Wilfried Polke zum Ehrenmitglied des Verbandes zu erklären.

Wilfrid Polke war emeritierter Professor für Ästhetik und Kommunikation. Er war zunächst in Düsseldorf und später an der evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum tätig. Der 1932 geborene Künstler und ehemalige Hochschullehrer lebte in Düsseldorf.

Wilfrid Polke gehörte zu den frühen Repräsentanten der Abenteuerspielplatzbewegung in Nordrhein-Westfalen. Auf seine Initiative hin wurde der Abenteuerspielplatz Oberkassel in Düsseldorf 1972 gegründet. Dies geschah im Rahmen seiner Professur in Düsseldorf. Die Gründung des Abenteuerspielplatzes – dem übrigens ältesten, noch existierenden in NRW – stand in Wilfrid Polkes Sinne im Kontext von Pädagogik und  Ästhetik.

Dass Wilfrid Polke ein über sein berufliches Tätigkeitsfeld hinausgehendes Interesse an dieser damals in Deutschland neuen Einrichtungsform hatte, belegen auch seine weiteren Engagements. Er war in der so genannten Abenteuerspielplatzbewegung aktiv, so etwa im Vorstand des Vereins „Abenteuerspielplatz Oberkassel e.V.“ und von 1975 bis 1981 als Vorsitzender des ABA Fachverbandes Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Seinerzeit gab es noch das Amt des 1. Vorsitzenden, das er bekleidete; allerdings hieß der Verband in jener Zeit noch Landesarbeitsgemeinschaft Abenteuer-, Bau- und Aktivspielplätze Nordrhein-Westfalen (LAG ABA NRW). Für sein Engagement und seine Präsenz in der „Szene“ möchte sich der ABA-Vorstand bei Wilfrid Polke mit dieser Ehrenmitgliedschaft bedanken.

Er starb am 21. Juli 2014.

Dortmund, 19. November 2007

 

Auf der Internetseite „Oberkassel.de“ wurde Wilfrid Polke im Oktober 2007 porträtiert:

Wilfrid Polke, Künstler in allen Lebenslagen

Auf der Suche nach dem Glück – von der künstlerischen Art, nicht aufzugeben

Düsseldorf-Lörick: Ein Reihenhaus in einer gepflegten Straße, im Vorgarten lassen Skulpturen auf die Interessen der Bewohner dieses Hauses schließen. Im heimischen Wohnzimmer sitzt ein Kätzchen auf dem Sessel und schläft. Zunächst nichts Ungewöhnliches, doch sieht man genauer hin, strotzen die Bücherregale vor Kunstbüchern: Picasso, Beuys, Rodin, Beckmann. Nicht zuletzt sind es aber die bunten Gemälde, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Fröhliche Farben, ursprüngliche Formen und Figuren voller Vitalität lassen das Auge minutenlang im Bild verweilen. Mit langsamen Schritten kommt Wilfrid Polke in sein Wohnzimmer, verscheucht das schlafende Kätzchen und nimmt sich Zeit für ein Gespräch. Oberkassel.de sprach mit dem Düsseldorfer Künstler über seinen berühmten Bruder, soziales Engagement und über das Glück, eine liebevolle Familie zu haben.

Mehrgleisiges Kunstschaffen

Zweimal musste Wilfrid Polke fliehen. 1945 aus seinem Geburtsort Oels in Schlesien und 1952 aus Thüringen in die Bundesrepublik. Nach der Ausbildung zum Steinbildhauer studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie Plastik, Malerei und Grafik. Ein wichtiges Fundament, das ihn Zeit seines Schaffens prägte. Denn Wilfrid Polkes Œuvre umfasst neben Plastiken auch zahlreiche Zeichnungen und Malereien. „Ich bin von Anfang an mehrgleisig gefahren“, erzählt der 75-jährige Künstler, „aus einem formlosen Stück Metall oder Stein etwas zu schaffen, interessiert mich genauso, wie eine Leinwand mit Farbe zu füllen.“ Dieser Schaffensprozess hat für Polke etwas Ursprüngliches, etwas, was er direkt mit dem Menschen verbindet: „Das Menschliche interessiert mich nicht an der Oberfläche, vielmehr möchte ich zeigen, wie sehr Menschen sich ähneln und wie sehr sie bei alten Themen bleiben, die sie seit jeher beschäftigten.“

Eine andere Art von Ursprung haben Polkes Fundstücke-Montagen. „Picasso sagte mal `Ich suche nicht, ich finde`. Diese Fundstück-Thematik ist auch für mich ein ewiges Entdecken“, sagt Polke. „Manchmal finde ich Holz- und Metallabfälle am Rhein, die in mir völlig neue Bilder hervorrufen. Das sind Reize und Stücke, die mich immer wieder inspirieren.“ Aus Gebrauchtem, möglicherweise Formlosem entsteht somit etwas völlig Neues – die Gleise von Polkes Kunstschaffen erweitern sich.

„Ich arbeite gern im Kollektiv“

„Es gibt Künstler“, sagt Wilfrid Polke, „die gerne für sich sind und nur alleine ihre Kreativität fließen lassen können. Bei mir ist es genau umgekehrt.“ Besonders bezeichnend für diesen Hang zum Kollektiv war Polkes Gründung der Künstlergruppen Zyklon und Farbfraß. „Wir waren ein bunt gemischter Haufen“, erzählt er. „Unsere Arbeiten standen immer unter dem Leitsatz `Was kann man zusammen machen?`“ Neben dem Schaffen von hauptsächlich abstrakten Werken zeichneten sich die Gruppen durch ihr politisches und soziales Engagements aus. „Vielleicht hängt dieser Wunsch, im Kollektiv zu arbeiten, auch mit meinen allgemeinen pädagogischen Tätigkeiten zusammen. Mich hat es immer gereizt zu sehen, was andere Menschen bewegt.“

Wilfrid Polke war vor seiner Zeit als Professor für Ästhetik und Kommunikation in Bochum lange Zeit als Studienrat an einem Gymnasium tätig. Die Anfrage des Cecilien-Gymnasiums nach einer Zusammenarbeit gefiel Polke von daher besonders gut. „Es war wirklich schön, auf diesem Weg wieder mit einer Schule zusammenarbeiten zu dürfen“, sagt er nachdenklich, „und vor allem war es erstaunlich, mit welchem Elan und mit welcher Intensität die Schüler an die Arbeit herangetreten sind.“ Polke war nicht nur an der Gruppenarbeit mit den Kindern und Jugendlichen interessiert, er schenkte auch dem sozialen Aspekt in dieser Kooperation große Beachtung. Schon mehrfach durften sich Kinder über das große Herz des sympathischen Künstlers freuen, denkt man an die durch Polke initiierte Gründung des Oberkasseler Abenteuerspielplatzes oder gar der Kreativschule.

Polke contra Polke: ein Vergleich, der keine Früchte trägt

Die Frage nach Wilfrid Polkes international bekanntem Bruder Sigmar ist unumgänglich. Gibt es Parallelen im Kunstweg der beiden Brüder? „In unseren künstlerischen Anfängen haben Sigmar und ich unterschiedliche Kunstauffassungen vertreten“, erzählt Polke, „da gab es schon einige Diskussionen.“ Was Wilfrid Polke mit seinem neun Jahre jüngeren Bruder dennoch künstlerisch verbindet, sind unter anderem zwei Dinge: Zum einen die Düsseldorfer Kunstakademie, an der beide studierten, zum anderen Joseph Beuys. „Ich habe Beuys in seinen wilden Jahre kennengelernt, damals hat er bereits einen gewissen Ärger verbreitet“, schmunzelt Polke. Auch sein Bruder sei recht früh mit Joseph Beuys in Berührung gekommen, sei aber im Laufe der Zeit seinen eigenen Weg gegangen. „Sigmar hat es damals verstanden, neue künstlerische Tendenzen aufzunehmen.“ Wer auch nur ein Fünkchen Gram in Wilfrid Polkes Stimme sucht, sucht vergeblich. „Mein Bruder und ich haben ein sehr gutes Verhältnis, wir bemühen uns sehr umeinander.“ Sigmar Polke werde von der Gesellschaft einfach anders an- und wahrgenommen.

Wenn die Gesundheit Künstlern Streiche spielt

Seit etwa einem Jahr ist Wilfrid Polke auf Grund eines schweren gesundheitlichen Vorfalls nicht nur in seinem Alltag, sondern auch in seinem künstlerischen Schaffen immens beeinträchtigt. „Ich war lange Zeit sehr gesund“, sagt er nachdenklich, „und jetzt hat mich die Krankheit so sehr in Beschlag genommen, dass ich einfach nicht mehr so arbeiten kann, wie ich gerne möchte.“ Trotzdem gibt Wilfrid Polke nicht auf. In diesem Jahr hat er schon diverse Ausstellungen gehabt und an einem skulpturalen Portrait gearbeitet. „Ich habe großes Glück, dass meine Familie so sehr zu mir hält und mich in jeglichen Dingen unterstützt.“ Fünf Kinder haben er und seine Frau Ruth zusammen. „Es ist manchmal schwierig, einen Mittelweg für meinen Mann zu finden“, erzählt Ruth Polke. „Einerseits möchten wir, dass er sich schont, um wieder richtig auf die Beine zu kommen, andererseits ist es auch schön, wenn er sich wieder mit seiner Leidenschaft, der Kunst, in seinem Löricker Atelier beschäftigt.“

Und genau diese Leidenschaft für die Kunst strahlt Wilfrid Polke aus, wenn er von Skulpturen, Künstlergruppen oder Joseph Beuys spricht. Der Blick geht in die Ferne, die Lachfalten um die glänzenden Augen ziehen sich sympathisch zusammen und der Polk´sche Geist scheint bereits Hammer und Meißel oder einen farbgetränkten Pinsel zu halten. „Für mich ist die Zukunft so undeutlich geworden. Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird“, sagt er langsam und fügt lächelnd hinzu: „Doch eins ist klar, es wird weitergehen!“

In Wilfrid Polkes Vita sei zu guter Letzt noch eine Sache erwähnt: Sein Germanistik-Studium erweckte in ihm auch die Leidenschaft zur Poesie. Vielleicht wird der eine oder andere schon einmal einen Blick in Polkes „Vagantenlieder“ geworfen haben, wo der Künstler einem mittelalterlichen Liedermacher und Sänger „Verse in den Mund gelegt hat“. Und ist der Vagant nicht auch ein Künstler? Gibt es zwischen Vagant und Polke nicht eine gewissen Verbindung? Ja, die gibt es: Beide sind Lebenskünstler. Wilfrid Polke hat es selbst in seinen „Vagantenliedern“ auf den Punkt gebracht: „Doch er behauptet seine Freiheit, zieht weiter, macht sich einen Reim auf den Lauf der Welt, ist wach und kritisch, ein sehr weltlicher Pilger auf der Suche nach seinem Glück.“ (cf)

(Oberkassel.de, Oktober 2007)

Rede zum 30-jährigen Bestehen des Abenteuerspielplatzes Oberkassel

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Abenteuerspielplatzes Oberkassel am 9. Juni 2002 hat Rainer Deimel (ABA Fachverband) eine Rede „Leonardo da Vinci und die Idee vom Abenteuerspielplatz“ gehalten. Wir haben diese Rede für Interessierte hier eingestellt.

Beitrag „Leonardo da Vinci und die Idee vom Abenteuerspielplatz“ herunterladen

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